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Dokumentation: Reaktionen auf unseren offenen Brief
11.12.2002 Antwort Heiko Hilker, PDS

From: Hilker, Heiko
To: fernsehen macht schön
Subject: AW: OFFENER BRIEF
Date: Wed, 11 Dec 2002 07:05:03 +0100

Hallo, anbei meine Antworten:

>1) Wie schätzen Sie die strukturellen Auswirkungen der geplanten
>Kuerzung der kulturellen Filmförderung ein?

[Hilker, Heiko] Fatal.

> 2) Inwiefern wird, Ihrer Einschätzung nach, die Mitteldeutsche
> Medienförderung die Auswirkungen der Kürzungen im Bereich der
> kulturellen Filmförderung kompensieren können?

[Hilker, Heiko] Gar nicht.

> Welche andere Institution (bzw. welcher Verbund von Institutionen) wird
>dazu in welcher Form in der Lage sein?

[Hilker, Heiko] Die Sächsische Landesmediensanstalt könnte es machen, wird es jedoch nicht tun. Der MDR wird sich trotz der Auflagen im letzten Rundfunkstaatsvertrag kaum durchringen, unabhängige Filmproduzenten stärker einzubeziehen. Weitere Institutionen neben dem Freistaat sehe ich nicht. Der steht auch in der Verantwortung das fortzuführen, was über Jahre hinweg mit Steuermitteln aufgebaut wurde. Dies kann an 500 000 Euro nicht scheitern, zumal allein die Fraktionszuschüsse für das Jahr 2003 um 500 000 Euro und für 2004 um fast 1 Mio. Euro erhöht werden.

> 3) Wie positionieren Sie sich zu folgender Feststellung: Durch den
>Wegfall der Projektförderung der kulturellen Filmförderung wird dem
>regionalen Nachwuchs der Zugang zum Medienstandort Sachsen entscheidend
>verschlossen und damit die strukturelle Entwicklung des Medienstandorts in
>unverantwortlicher Weise gefährdet.

[Hilker, Heiko] Der Feststellung stimme ich zu.

4) Wie stehen Sie zu der Feststellung, daß die Nachwuchsproblematik eine der zentralen Schwierigkeiten des Medienstandortes Sachsens darstellt?

[Hilker, Heiko] Dieser Feststellung stimme ich zu.

> Wenn Sie zu einer aehnlichen Einschätzung der Situation kommen: welche
>Lösungsansätze verfolgt die Sächsische Staatsregierung bezüglich
>dieses Problems?

[Hilker, Heiko] Ich bin nicht in der Staatsregierung. Ich bin der Meinung, dass derzeit die Medienpolitik eine untergeordnete Rolle spielt, die Aktivitäten der einzelnen Einrichtungen nicht abgestimmt sind. Es gibt in Sachsen bzw. im MDR-Gebiet keine wirtschaftliche Medienförderung, die internationalen Kriterien entspricht. Die Landesmedienanstalt ist in ihrer Förderung zu stark auf die Ausbildungs- und Erprobungskanale konzentriert. Die Staatsregierung zieht sich aus der Förderung zuruck. Dabei hat sich in der Vergangenheit erweisen, dass mit der geringen Förderung international erfolgreiche Filme gefördert wurden. Die Effektivität der Wirtschaftsförderung des Freistaates Sachsen ist nicht so hoch, hier werden oft Millionen Euro in den Sand gesetzt. Der Erfolg der Wirtschaftsförderung besteht oft nur darin, dass die Mittel abgeflossen sind. Kurz: die Kriterien, die fur die kulturelle Filmförderung verlangt werden, gelten fur die Unternehmen nicht.
Wenn ich in der Staatsregierung wäre, würde ich die alle an einen Tisch holen und versuchen, gemeinsam ein Medienkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Ich bin der Meinung, der MDR darf nicht aus der Verantwortung entlassen, das gleiche gilt fur SLM und MDM. Natürlich hat auch die Staatsregierung den Auftrag, die reichhaltige Landschaft am Leben zu erhalten.

Soweit in Kürze von meiner Seite, fur ein Gespräch stehe ich zur Verfügung.
Heiko Hilker
www.heiko-hilker.de

 

10. Januar 2002 Antwort von Gunhild Lattmann-Kretschmer, PDS

from: Gunhild Lattmann-Kretschmer
to: fernsehen macht schön
Date: Fri, 10 Jan 2002 09:10:03 +0100

Sehr geehrte Filmschaffende, liebe Künstlerinnen und Künstler,
mich erreichte Ihr Offener Brief am 10. Dezember - einen Tag vor der Haushaltsdebatte im Sächsischen Landtag. Es ist den beiden Oppositionsfraktionen nicht gelungen, Staatsregierung und Mehrheitsfraktion von der Notwendigkeit einer finanziellen Erhöhung fuer die kulturelle Filmförderung zu überzeugen. Und das, obwohl im Vorfeld der Debatten allen Abgeordneten, besonders aber den Mitgliedern des Ausschusses "Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien" ausführliche Informationen über die Gefährdung der kulturellen Filmförderung, besonders für den Nachwuchs, vorlagen. Es gab am 11. November im Fachausschuss ja auch speziell zu diesem Thema eine gemeinsame Beratung mit dem Sächsischen Kultursenat.

Ich übersende Ihnen in der Anlage das Protokoll der Landtagsdebatte "Filmkultur im Freistaat Sachsen" vom 15. November und bitte Sie, meinen Diskussionsbeitrag als Antwort auf Ihre Fragen zu akzeptieren. Spätestens Ende Januar werde ich Ihnen noch einmal schreiben, um Sie über weitere Aktivitäten unserer Fraktion in Sachen "Filmförderung" zu informieren.

Ich wünsche Ihnen - trotz oder gerade wegen der unbefriedigenden Situation - Mut zur Bewältigung der nicht leichten Aufgaben im Jahr 2003.
Gunhild Lattmann-Kretschmer
MdL Kulturpolitische Sprecherin der PDS-Landtagsfraktion
Mitglied des Sächsischen Kultursenats
» Anlage: Protokoll der Landtagsdebatte vom 15.11.2002 (.pdf)

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